Berufsorientierung in der Mittelstufenschule

Unser Leitsatz:

Praxis-, Berufs- und Studienorientierung sind Prinzipien unseres Unterrichts, gleichzeitig sorgen wir dafür, dass Schülerinnen und Schüler den höchstmöglichen Abschluss erreichen.

Damit beinhaltet die Berufsorientierung die Förderung der Kompetenz, die eigene Berufsbiografie sinnvoll vorzubereiten und zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre individuellen Fähigkeiten kennenlernen und erweitern. Wir orientieren uns an den Standards der hessenweiten Strategie OloV (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf).

Der berufsbezogene Unterricht im praxisorientierten und auch im mittleren Bildungsgang stellt eine Vielzahl möglicher Berufsfelder mit allen noch zu erreichenden Schulabschlüssen vor. Ziele und Perspektiven einer künftigen Berufsvorstellung geben Motivation, sich aktiv den schulischen Anforderungen zu stellen.

Wir kooperieren eng mit der Arbeitsagentur Gießen, dem Arbeitskreis Schule Wirtschaft und der Industrie und Handelskammer Mittelhessen. Des Weiteren sind wir im „I am MINT- Projekt“, welches ein zusätzliches Netzwerk mit metallverarbeitenden Betrieben darstellt. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Curriculum

Jahrgangsstufe 5+6

Praktische Erfahrungszusammenhänge in der Holzwerkstatt und der Hauswirtschaft. Theorie: Wie aus einem Baum ein Möbelstück entsteht. Gesunde Ernährung. Teilnahme am Girls´s/Boy´s day

Jahrgangsstufe 7

Betriebsbesichtigungen zu Arbeitsabläufe im Gesundheitssektor/Einzelhandel. Kennenlernen von Berufsfeldern (Fähigkeiten/Anforderungen). Projekttage an den Beruflichen Schulen am Gradierwerk (Gesundheit, Sozialwesen, Wirtschaft/Verwaltung, Ernährung). Einführung des Berufswahlpasses. Erstellung eines Kompetenzprofils (Kompo 7)

Jahrgangsstufe 8

Betriebsbesichtigungen in der Stadtverwaltung und im Handwerk. Unterricht an der BSG nach eingewählten Themenschwerpunkten (1 Wochentag). Berufsbildungsmesse Chance in Gießen. I am Mint – Einblicke in naturwissenschaftliche Berufe. Betriebspraktikum (14 Tage)

Jahrgangsstufe 9

Betriebsbesichtigungen in der Industrie. Unterricht an der BSG nach eingewählten Themenschwerpunkten (1 Wochentag). Berufsbildungsmesse: Kontaktherstellung zu Firmen und Spezialisten. Berufsinformationszentrum (BIZ) – Berufsfelder und –eignungen vertiefen. Betriebspraktikum (14 Tage)

Jahrgangsstufe 10

Betriebsbesichtigung Bundespolizei in Frankfurt. Bewerbungsworkshop anhand eines Assessment Centers.

Jahrgangsübergreifend

Girl´s und Boy´s Day in allen Jahrgangsstufen. Digitale Schultasche (Erwerb des Europäischen PCFührerscheins. Praxistag in einem ausgewählten Beruf. Digitale Fotografie (AG). Multimedia (WPUUnterricht). Digitale Helden – Erwerb von kritischer Medienkompetenz und Schulung der Grundschüler. Schülerfirma „Sofi“ – Organisation einer Firma (Einkauf, Verkauf, Buchhaltung, Personalmanagement, Kennenlernen von Aktienstrukturen)

I am Mint

Besuch des Buss-SMSCancler in Butzbach

Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 der Solgrabenschule haben die Möglichkeit verschiedene Unternehmen zu besuchen. Dort erhalten Sie einen Einblick in die Unternehmen und die MINT-Berufe. Geleitet werden die Besuche von den Auszubildenden der Unternehmen, die gleichzeitig ihre Ausbildung praxisnah vorstellen. Die Auszubildenden wurden zuvor durch das I AM MINT-Projekt als „Azubi-Mentor“ geschult. Ihre Aufgabe besteht darin, den Schülerinnen und Schülern über den heutigen „Unternehmensbesuch“ hinaus bei Fragen zur Berufswahl mit Rat zur Seite stehen.

I AM MINT will mathematisch-technisch begabte Schülerinnen und Schüler für einen Berufsweg im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) gewinnen. Denn gerade in diesen MINT-Berufen steigt die Nachfrage in den kommenden Jahren steil an.

Starke Kooperationspartner der Solgrabenschule sind die ovag-Gruppe, DEV Systemtechnik in Friedberg und Buss-SMS-Cancler in Butzbach.

„I AM MINT passt gut in unser Konzept der Berufsorientierung“, sagt Herr Mathes, Schulleiter der Solgrabenschule. Zum einen biete das Projekt der Schule die Möglichkeit, dauerhafte Kontakte zu den Unternehmen der Region aufzubauen, zum anderen hätten mathematisch-technisch begabte Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, sich einen Eindruck von der Praxis technischer Berufe zu verschaffen. „Mit den Azubi-Mentoren erhalten unsere Schülerinnen und Schüler einen Ansprechpartner, der ihre Sprache spricht. Das gefällt uns besonders gut“, so Herr Mathes abschließend.

Unternehmensbesuch

Kompo 7

Das Kompetenzfeststellungsverfahren Kompo 7 fand im Schuljahr 2015 /2016 zum ersten Mal für unsere Siebtklässler statt. In Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, gefördert durch das Land Hessen und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, soll dieses Verfahren den Schülerinnen und Schüler einen ersten Einblick in ihre Interessen und Fähigkeiten vermitteln und ihnen eine Unterstützung in der beruflichen Orientierung bzw. bei der Suche nach einem Praktikumsplatz geben. Über einen Selbsteinschätzungsbogen, der das Arbeitsverhalten (Selbstständigkeit, Kreativität, Konzentration, Aufnahmefähigkeit, Problemlösefähigkeit), das Lernverhalten (Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen, Sorgfalt, Verantwortung, Leistungsbereitschaft, Motivation) und das Sozialverhalten (Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Respekt, Konfliktfähigkeit) erfasst, erhalten die Schülerinnen und Schüler erste Eindrücke ihrer Fähigkeiten.

Handlungsbezogene Übungen und Anleitungen in Vierer-Teams vermitteln den Lehrkräften nähere Informationen zu den oben beschriebenen Kompetenzen. Die Lehrkräfte übernehmen über einen längeren Zeitraum die Beobachterrolle ohne selbst unterstützende Maßnahmen oder Hinweise zu geben. Die Aufgabe soll im Team besprochen, geplant und in einem vorgegebenen Zeitrahmen umgesetzt werden. Auch für die Lehrkräfte eine ungewohnte Situation, müssen sie doch sonst eher eine Bewertungseinschätzung zu Schülern vornehmen. Zu den Aufgabenbereichen zählten der Bau einer funktionstüchtigen "Windmühle" oder eine "Kugelbahn" aus vorgegebenen Materialien. Ausnahmslos fanden die über 100 Schülerinnen und Schüler, die an diesem Verfahren teilnahmen, die Aufgaben spannend und motivierend.

In allen 14 Gruppen entstanden sinnvolle Lösungen der Aufgabenstellungen. Andere "Spielformen" erforderten einen respektvollen Umgang, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Einen langen Gegenstand (z.B. ein Stab) nur auf den Zeigefingern haltend in der Gruppe auf den Boden abzulegen ohne den Kontakt zum Stab zu verlieren, erforderte sehr viel Geduld und den Gemeinschaftsgeist. Beim "Mausefallen-Spiel" wurde viel gelacht. Hier mussten einzelne Teilnehmer "blind" nur durch Ansagen der Gruppenteilnehmer einen Becherparcour durchlaufen ohne dass die Becher umfallen. Auch hier ein achtsamer Umgang mit den Mitschülern gefragt. Abgerundet wurde die Kompetenzfeststellung über einen Allgemeinen-Interessen-Struktur-Fragebogen, der eine Aussage darüber macht, welche schwerpunktmäßigen Interessensfelder zum jetzigen Zeitpunkt vorliegen. Nach Auswertung aller Elemente wurden die Ergebnisse in persönliche Schüler-Elterngespräche durch die beobachtenden Lehrer verbalisiert. Eine schriftliche Dokumentation wurde überreicht. Abschließend kann man sagen, dass es den Schülerinnen und Schülern großen Spaß gemacht hat. So eine Schüleraussage: "Ich wünsche mir im nächsten Schuljahr wieder solche erlebnisreichen Tage."

Das Prinzip der vollständigen Handlung

Durch ganzheitliches Lernen in verschiedenen Themenbereichen erreichen Schülerinnen und Schüler ein besseres Verständnis von komplexen Zusammenhängen.

Informieren, planen, entscheiden, umsetzen, kontrollieren und reflektieren sind dabei richtungsweisende Aspekte. Die Anforderungen an das Weiterarbeiten und Weiterlernen werden aus dem Prozess heraus ersichtlich. Das Ausprobieren individueller Lernwege und Lernergebnisse geben Erkenntnisse über Interessen und Stärken. Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen und Kooperationen eingehen, entwickeln soziale Kompetenzen, insbesondere die der Teamfähigkeit. Damit erreicht das Lernen an sich an Nachhaltigkeit.

Unsere Schule hat sich in ihrer Lernprozesssteuerung diesem Prinzip verschrieben. Unsere Kooperationsschule, die Beruflichen Schulen am Gradierwerk, arbeiten ebenfalls nach diesem Prinzip.