Surfen mit Sinn und Verstand

Schülerinnen der Klasse 7c beim Testen

Es gibt kaum noch jemanden, der nicht die Vorteile des Internets für sich nutzt. Zumindest die meisten sind sich wohl darüber bewusst, dass sie sich im selben Moment auch gewissen Risiken aussetzen. Welche das genau sind, weiß wahrscheinlich nicht jeder – es bleibt nur ein mulmiges Gefühl, wenn man persönliche Daten im Netz preisgibt. Angesichts dieses Konflikts hat die Europäische Kommission den Safer Internet Day ins Leben gerufen, einen jährlich stattfindenden Tag der Aufklärung rund ums Thema Internet-Sicherheit. In diesem Zusammenhang organisierte Klicksafe, deutscher Partner der EU-Initiative, kürzlich zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen unter dem Motto »Be the Change: Gemeinsam für ein besseres Internet«. Auch an der Solgrabenschule in Bad Nauheim sollten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 9 an das Thema herangeführt werden. Ausnahmsweise durften an diesem Tag alle ihr Smartphone mit in die Workshops des Jugendprogramms »Think Big« (zu deutsch: denke groß) mitnehmen und im Unterricht damit spielen.

Es ist die erste Generation, für die das Internet wirklich selbstverständlicher Teil des Lebens ist – weil sie ein Leben ohne das Internet gar nicht kennt. WhatsApp, Facebook, Instagram, Snapchat und »YouNow« zählen zu den beliebtesten Apps bei den Schülerinnen und Schülern der Klasse 7c. Über diese Apps kommunizieren sie miteinander. Doch welche Gefahren entstehen, wenn Apps heruntergeladen und Informationen über das eigene Privatleben preisgegeben werden? Anhand einiger praxisnaher Beispiele erklärte Edvin Ibrahimovic, Leiter des Workshops am Safer Internet Day, den Schülern, wie leicht eine Handlung im Internet Probleme im realen Leben verursachen könnte.

Man sollte in keinem sozialen Netzwerk seine Adresse angeben – darüber waren sich alle Schüler schnell einig. Doch ein Facebook-Post wie »Tschüs Deutschland – ab heute 14 Tage Urlaub in der Türkei« sei höchstens ein bisschen angeberisch, aber doch nicht gefährlich. Und eigentlich mache das doch jeder. Auf die Idee, damit einem Einbrecher einen wertvollen Tipp zu liefern, welches Haus in den kommenden zwei Wochen leer stehen könnte, wären die Schüler aber nicht gekommen. Generell warnte der Experte vor einem unüberlegten Handeln im Internet. Das Veröffentlichen von Bildern aus dem Privatleben könnte man zu einem späteren Zeitpunkt im Leben einmal bereuen. Künftige Arbeitgeber besuchten mittlerweile gezielt auf Facebook die Profile ihrer Bewerber. Der Spruch, das Internet vergesse nichts, habe durchaus seine Gültigkeit; das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Und nicht nur Hacker könnten auf Daten zugreifen, die man lieber für sich behalten würde. Bei einigen Apps werden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen Berechtigungen gefordert, die zur Vorsicht mahnen sollten. »Warum sollte eine Taschenlampen-App Zugriff auf meine Kontaktliste brauchen?«, warf Ibrahimovic in den Raum. Nach jedem Update einer App sei unbedingt zu überprüfen, ob sich die Einstellungen zur Privatsphäre geändert hätten. Auf den Datenschutz könne man sich leider nicht immer verlassen. Viele Apps müssten sich lediglich an die Bestimmungen in ihrem Herkunftsland halten, nicht aber an möglicherweise abweichende nationalen Datenschutzregeln der Nutzer. Und wer aus reiner Faulheit im Internet immer dasselbe Passwort verwende, riskiere, dass bei einem erfolgreichen Hacker-Angriff einem Fremden die Zugänge zu sämtlichen Portalen gewährt werden. Um sich die verschiedenen Passwörter zu merken, empfahl Ibrahimovic eine Methode, für die niemand eine App brauche: »Man könnte die Passwörter einfach mit einem Stift auf einen Zettel schreiben und den Zettel dann an einem sicheren Ort verstecken.«

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