Lerncamp: Pauken statt faulenzen in den Ferien

Ostercamp: Fit in die nächste Klasse
Ostercamp: Fit in die nächste Klasse

Bad Nauheim (cor). Es ist 8 Uhr. Während andere Teenager in den Ferien um diese Zeit noch in den Federn liegen, sitzen Monika, Katja und Merve in der Schule. Ans frühe Aufstehen haben sich die drei Mädchen gewöhnt. Sie gehören zu den rund 55 Schülern, die in den Osterferien das Lerncamp der Stadtschule am Solgraben besuchen.

»Das Aufstehen fällt schon schwer«, sagt Janina. »Schließlich wissen die Schüler, der Rest hat frei«, ergänzt Lehrerin Ulrike Selmayer, die das Camp während der zwei Wochen betreut.

Die Teenager der Klassen 8 bis 10 wissen, dass sich der Besuch des Lerncamps lohnen kann. »Im letzten Jahr hatte ich danach eine 2 geschrieben«, wie Merve stolz erzählt. Sie nimmt bereits zum zweiten Mal teil und büffelt derzeit fleißig englische Vokabeln und Grammatik. Aus den Erfahrungen des Vorjahres weiß die Schülerin auch, dass man im Anschluss viel beruhigter in den Unterricht zurückkehrt. Merve möchte diesmal nicht nur ihr Englisch auffrischen, sondern auch in der Mathematik eine Verbesserung erzielen.

»Möchte mich sicherer fühlen« 

Den Mathestoff unterrichtet im Lerncamp Söleyman Özen. Wie alle anderen Lehrer kommt er von der Uni Gießen. Nach der Klasse 10 in der ersten Ferienwoche unterrichtet er in der zweiten Campwoche die Stufen 8 und 9. Hier büffelt auch die 16-jährige Rubina. »Ich möchte mich für den regulären Unterricht noch sicherer fühlen«, sagt die Schülerin. Dabei denke sie bereits an ihre Zukunft und die Abschlussprüfungen. Ihr Camp-Lehrer sei dafür ein idealer Ansprechpartner, wie Janina bestätigt. »Er fragt genau nach, wo unsere Schwächen liegen und was wir lernen möchten.«

Genau das scheint der Erfolg der Lerncamps in Hessen zu sein, die seit 2007 an Real-, Haupt- und Gesamtschulen in Mathe, Deutsch und Englisch angeboten werden. »Ohne Notendruck und Bewertungen konzentrieren sich die Schüler auf Schwachpunkte, die gestärkt werden«, erläutert Ulrike Selmayer. 

Aber auch die Bedeutung der Abschlussprüfungen ist ein Thema im Lerncamp. Im Deutsch-Unterricht von Mark Schauer sitzen Deniz, Murat und Alexander. Sie nutzen das Angebot des Kultusministeriums, um sich Stück für Stück auf die große Prüfung vorzubereiten. Hierfür stehen den Schülern Musteraufgaben aus vergangenen Prüfungen zur Verfügung.

Ein fester Tagesablauf strukturiert das Lerncamp. Pünktlich um 8 Uhr starten die Teilnehmer täglich mit einem Warm-Up. Danach geht es in die Unterrichtsräume. In den Pausen gibt es ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen. »Gestern gab es für alle Linsensuppe«, sagt die Lehrerin. Da habe sich mancher Schüler zurückgehalten. Heute jedoch ist die Namensliste für das Mittagessen lang. »Da gibt es nämlich Pizza.« 

Bewegung nach Mathe-Block 

Nachmittags hat jeder Schüler für den dritten Block freie Wahlmöglichkeiten, wozu auch Sportangebote zählen. Den Teilnehmern stehen beide Sporthallen des Schulzentrums zur Verfügung. »Viele nutzen den Sport«, berichtet Sportlehrer Christoph Heisiger. Nach vier Stunden Mathe sei der Bedarf an Bewegung groß. Da blieben die Schüler gerne länger. 

»Lerncamps helfen jungen Menschen, den Spaß am Lernen wiederzuentdecken und neues Vertrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit zu gewinnen«, erklärt Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler. Landesweit nehmen derzeit 2400 Jugendliche in 49 Schulen das kostenlose Angebot wahr. Damit bleiben die Zahlen seit Jahren konstant.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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